2009/06/15

König Kunde und die T-Zensur

Was tut der idealistische Internetnutzer, nachdem Frau Van Der Leyen, vulgo Zensursel, mit der Einführung der berüchtigten Stopschilder droht ?
Er schaut nach, ob sein Provider wenigstens pro Forma etwas Widerstand leistet.
Beispielsweise bei http://zensurprovider.de.
In meinem Fall ist der Provider seit einiger Zeit wieder die Telekom, und die zeigte sich offenbar kooperativ.
Nein, nicht kooperativ mit uns hypersensiblen, demokratieverliebten Internetnutzern. Aber kooperativ mit den Bemühungen unserer (Noch)-Regierung, uns das Schlimme auf dieser Welt nicht sehen zu lassen.
Also schrieb ich dem Kundenservice diese Zeilen:

Sehr geehrte Damen und Herren,
zu meinem großen Bedauern mußte ich kürzlich bemerken, daß
Ihr Unternehmen offenbar zu den 8 Firmen (von Alice bis
Kabel Deutschland) gehört, die zuerst und bereitwillig der
Einrichtung von DNS-Sperren zugestimmt haben.
Da dies ein riskanter Eingriff in die Informationsfreiheit
ist, dessen Nutzen für mißbrauchte Kinder äußerst
zweifelhaft erscheint, bin ich stark enttäuscht vom
Verhalten der Telekom.
Dabei bin ich seit nicht langer Zeit erst wieder Kunde
(nach einem `Ausflug` zur Konkurrenz vor wenigen Jahren),
und war eigentlich bis dahin denkbar glücklich, wieder
`zurückgewechselt` zu sein. Nun bedaure ich dies.
Mit freundlichem Gruß
...



Das erzwingt natürlich keinerlei Aktion telekomseits. Wer bin ich denn, daß ich den rosa Riesen zu irgendwas zwingen könnte.
Aber es könnte ja sein, daß eine Essenz aller eingehenden Protestbriefe eines Tages den Chef erreicht.
Ein guter Kundenservice wird dennoch antworten, und zwar wenigstens im Politikerstil:

"Vielen Dank für Ihr Schreiben. Wir sind immer an den Wünschen unserer Kunden interessiert, da wir ein serviceorientiertes Unternehmen sind, das immer ein offenes Ohr für die Wünsche seiner Kunden hat. Unser mehrfach ausgezeichneter Kundenservice ist immer für Sie da. Wir hoffen, wir konnten Ihre Anfrage zu Ihrer besten Zufriedenheit beantworten.
Mit freundlichem Gruß.
Mitarbeiter X."


Oder vielleicht erhalte ich gar eine persönliche Antwort, deren Offenheit und Direktheit mich angenehm überraschen wird ?
"Sehr geehrter Herr ...,
Ihr Anliegen kann ich gut nachvollziehen.
Die Reaktion unseres Unternehmens auf die Wünsche der Politik wird derzeit auch unternehmensintern kontrovers diskutiert.
Ihr Schreiben war nicht das einzige zum Thema. Wir danken für Ihr Engagement, und versichern, daß jegliche Schreiben diesbezüglich gelesen und ernst genommen werden.
Mit freundlichem Gruß.
Mitarbeiter X."



Vielleicht kommt sogar eine negative, aber wenigstens offene und ehrliche Ansage ?

"Sehr geehrter Herr ...,
Das Einrichten oder Verweigern von Internetsperren steht nicht in unserer Macht. Wir sind vom Wohlwollen der Regierung abhängig,
da diese die Rahmenbedingungen für unseren Geschäftsablauf und den unserer Konkurrenz beeinflussen kann.
Wir möchten deshalb auch nicht den gesetzlichen Zwang zur Kooperation beim Errichten einer Sperrinfrastruktur abwarten, sondern reagieren grundsätzlich in vorauseilendem Gehorsam.
Mit freundlichem Gruß.
Serviceteam."



Soweit meine Fantasie.
Und was kam in Wirklichkeit ?
Der Kundenservice antwortete wirklich. Und zwar so:



Sehr geehrter Herr ...,

vielen Dank für Ihre E-Mail.

Zur eindeutigen Identifizierung und genauen Recherche
senden Sie uns bitte noch folgende Angaben:

Vorname Name:
Geburtsdatum:
Straße:
PLZ/Ort:
Telefonnummer mit Vorwahl:
Buchungskonto:
Kundennummer:
Änderungsdatum:
Rechnungsnummer:

Das Buchungskonto und Ihre Kundennummer finden Sie oben
rechts auf Ihrer Telekom Rechnung.

Nutzen Sie die Antwortfunktion Ihres E-Mailprogramms und
ergänzen Sie die fehlenden Angaben.

Vielen Dank für Ihre Unterstützung.

Mit freundlichen Grüßen

Deutsche Telekom AG
Kundenservice

XXX (Mitarbeitername entfernt)

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Call Back Service

Haben Sie Fragen zu unseren Produkten oder Services? Wir
helfen gern weiter! Montag bis Freitag in der Zeit von 8 -
20 Uhr.

Rückruf anmelden (www.t-home.de/callback)

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Informationsservice der Deutschen Telekom

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Zwischenzeitliches Fazit:
Die Antwort der Telekom wird beherrscht von einem unaufgeregten Stil, der Souveränität vermittelt.
Der Wunsch nach weiteren Angaben meinerseits zeigt, daß man an der Kommunikation mit mir interessiert, wenn nicht gar
regelrecht geil darauf ist. Der maschinelle Stil zeigt überdies, daß man meinen wertvollen Text nicht der Fehlbarkeit eines
menschlichen, überdies vielleicht unterbezahlten und demotivierten, eventuell unserer Sprache kaum mächtigen Mitarbeiters anvertrauen möchte.
Da bin ich beruhigt, und wenn ich wieder ein Problem habe, werde ich mich sicher vertrauensvoll an den Kundenservice, wahlweise auch an den Call-Back-Service, oder gar an den Informationsservice wenden.



Wie sollte nun die erneute Antwort lauten ?
Hilfe ! Vorschläge bitte ...

UPDATE:

Geballte Drögheit erstickte meine Kreativität noch vor dem Keim.
Ich antworte also brav mit den gewünschten Daten.
Erhalte ein Mail von einem silikonbasierten Ansprechpartner ("Zwischeninformation"):
vielen Dank für Ihre E-Mail.

Gern kümmern wir uns um Ihr Anliegen. Bitte geben Sie uns
zur Bearbeitung noch etwas Zeit. Sie erhalten so schnell
wie möglich eine Antwort von uns.

Das ist über 1 Monat her. Und wie Ihr alle ahnt: Es ist das Ende der Geschichte. Selbst der Antwortautomat hat mich vergessen. Rechtzeitig vor Ende unseres Vertragszeitraumes werde ich ihn aber wieder in Anspruch nehmen ...